FDP Waldbröl fordert Pilotphase für die Bahnhofstraße: Kein Umbau im Blindflug
Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Waldbröl fordert, die geplante Einbahnstraßenregelung in der Bahnhofstraße vor dem endgültigen Umbau zunächst für mindestens drei Monate zu erproben. Erst nach einer umfassenden Auswertung soll über die dauerhafte Verkehrsführung und die bauliche Umsetzung entschieden werden.
„Die Stadt steht kurz davor, auf Grundlage von Planungen, die mehr als zehn Jahre alt sind, dauerhafte und kostspielige Tatsachen zu schaffen. Das halten wir für falsch. Erst testen, dann auswerten und erst danach bauen – alles andere wäre ein Umbau im Blindflug“, erklärt der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Diener.
Die grundlegenden Planungen gehen auf das 2013 beschlossene Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept 2025 zurück. Das darin enthaltene Verkehrskonzept mit Einbahnstraßenregelungen für die Kaiserstraße und die Bahnhofstraße wurde der Öffentlichkeit im Jahr 2015 vorgestellt. Seitdem haben sich die verkehrlichen, baulichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Waldbröler Innenstadt erheblich verändert. Unter anderem wurden die Kaiserstraße umgestaltet und das Merkurareal neu entwickelt.
Gerade die Erfahrungen mit der Einbahnstraßenregelung in der Kaiserstraße zeigen nach Ansicht der FDP, wie weitreichend solche Eingriffe sein können. Anwohner und Unternehmen sind mit veränderten Zufahrten und längeren Wegen konfrontiert. Gleichzeitig kann Verkehr in umliegende Wohnstraßen verdrängt werden.
„Die Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass man den Verkehr von einer Straße in die nächste verschiebt. Bevor sich vergleichbare Belastungen rund um die Bahnhofstraße wiederholen, müssen wir wissen, wie die geplante Regelung unter den heutigen Bedingungen tatsächlich wirkt“, so der vor Ort ansässige Till Idelberger.
Nach dem Antrag der FDP soll die Einbahnstraßenregelung deshalb zunächst mit provisorischen und möglichst vollständig rückbaubaren Maßnahmen erprobt werden. Vor Beginn der Pilotphase soll eine Ausgangserhebung erfolgen. Während der Erprobung sollen unter anderem das Verkehrsaufkommen, Verkehrsverlagerungen, Reise- und Wartezeiten, die Parksituation, der Lieferverkehr, die Verkehrssicherheit und die Erreichbarkeit der ansässigen Geschäfte untersucht werden.
Zusätzlich fordert die FDP eine strukturierte Befragung der Anwohner der Bahnhofstraße, der Bewohner voraussichtlich betroffener Ausweichrouten, der Geschäftsinhaber und der Pendler. Die Teilnahme soll sowohl digital als auch auf Papier möglich sein.
Nach Abschluss der Pilotphase soll die Verwaltung einen transparenten Evaluationsbericht vorlegen. Erst auf dieser Grundlage soll die Politik über die dauerhafte Verkehrsführung und den endgültigen Umbau entscheiden.
„Wir stellen eine Aufwertung der Bahnhofstraße nicht infrage. Aber eine schöne Straße hilft wenig, wenn Geschäfte schlechter erreichbar sind und der Verkehr anschließend durch die benachbarten Wohngebiete rollt. Gute Stadtentwicklung braucht Mut – aber ebenso aktuelle Daten, die Erfahrungen der Betroffenen und die Bereitschaft, Planungen zu korrigieren“, betont Diener abschließend.